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MPU HilfeLeberwerte und MPU
Im medizinischen Teil der MPU wird geprüft, ob aus medizinischer Sicht die Bedenken an Ihrer Fahrerlaubnis ausgeräumt werden können.
Schwerpunkt ist die Betrachtung gesundheitlicher Veränderungen, die auf übermäßigen Alkohol-, Drogen- und/oder Medikamentenkonsum hinweisen, - unter anderem durch eine grob oberflächliche Untersuchung der grob- und feinmotorischen Reflexe, einer Abtastung der Leber, einer visuellen und kinästhetischen Abklärung der auf übermässigen Alkoholkonsum hinweisenden äusseren Erscheinungsformen wie z.B. Veränderungen der Haut, Schädigung weiterer alkoholempfindlicher innerer Organe, des Vegetativums, des zentralen und des peripheren Nervensystems, Fingertremor, unsicherer Seiltänzergang, usw..
Leberwerte bei der MPU
Der Arzt sucht also nach Erkrankungen und Veränderungen des Organsystems, die auf aktuellen Missbrauch schließen lassen. Fester Bestandteil dieser Untersuchung ist beispielsweise die Analyse der sogenannten Leberwerte (bei Alkoholauffälligkeiten oder Drogenscreenings bei Drogen- oder Medikamentenmissbrauch) in Hinsicht auf die Frage, ob eine alkoholtoxische Leberschädigung vorliegt.
| Leberparameter |
Normbereich Männer |
Normbereich Frauen |
| Gamma-GT |
6 - 28 U/l |
4 - 18 U/l |
| GOT |
5 - 18 U/l |
0 - 15 U/l |
| GPT |
5 - 23 U/l |
0 - 19 U/l |
| MCV |
80 - 105 fl |
83 - 93 fl |
Seit Februar 2003 haben mehr und mehr Labore auf das neue Messverfahren ungestellt,
so dass es hin und wieder zu Irritationen bei den Patienten führt. Der
Referenzbereich (Normwerte) hat sich verändert, so dass ein männlicher
Patent mit einem durchschnittlichen GGT von bisher ca. 12 - 15 bei einer Norm
von 6 - 28 heute mit einem LW-Parameter von 30 - 36 ebenso im Mittelfeld der
neuen Norm liegt wie vordem und damit absolut kein Grund zur Besorgnis besteht.
Bei Zweifeln fragen Sie Ihren Arzt.
Neue 37°C Referenzbereiche bei Enzymaktivitätsbestimmungen seit
dem 01.04.2002 gemäß den Vorgaben der Bundesärztekammer:
| Leberparameter |
Normbereich Männer |
Normbereich Frauen |
| Gamma-GT |
< 66 U/l |
< 39 U/l |
| GOT |
< 38 U/l |
< 32 U/l |
| GPT |
< 41 U/l | < 31 U/l |
| MCV |
78 - 98 fl |
78 - 98 fl |
Die Bedeutung der LWP ist in einer MPU nicht zu unterschätzen; die Wertung ist jedoch in den letzten Jahren abnehmend. Vielfach wird auf die Erhebung des MCV (mittleres Zellvolumen; Langzeitindikator) in vielen Untersuchungsstellen schon gänzlich verzichtet.
Unauffällige LWP schliessen in der Bewertung einen vorübergehenden oder dauernden Alkoholmissbrauch jedoch nicht aus, da die Laborbefunde bei einer nicht unerheblichen Anzahl der regelmässig Alkohol konsumierenden Probanden unauffällig bleiben.
CDT - Labordiagnostik zur Erfassung des Alkoholismus -
CDT:
ein durch Alkoholeinfluss verändertes Transferrin mit reduziertem Kohlenhydratanteil
= Carbohydrate-Defficient-Transferrin
= "Kohlenhydrat-Mangel-Transferrin"
Es übertrifft die Sensitivität und Spezifität bisher üblicher "Alkohol-Parameter" im hohen Maße und ist damit besser als:
| 1. | Prüfung der Leberfunktion ("Leberwerte"): - Gamma-GT + - GOT + - GPT + |
Alkohol geschädigte Leber |
| 2. | Prüfung des Ery-Volumens: - MCV (HK/Ery) + |
Störung der Erythropoese |
Nicht durch Alkohol bedingte Erhöhungen der "Leberwerte" und des MCV
können durch das CDT labordiagnostisch abgeklärt werden.
(z.B. Hepatitis, Vitamin-B12- oder Folsäure-Mangel: CDT = normal).
Das CDT tritt etwa 6 - 10 Tage nach übermäßigem und regelmäßigem Alkoholkonsum
auf (ca. 60g absoluter Alkohol/Tag, d.h. z.B. 1 Flasche Wein/Tag).
Einmaliger Alkoholkonsum erhöht zwar die "Leberwerte", führt aber noch nicht
zum CDT-Anstieg. Ebenfalls nach ca. 6 - 10 Tagen wird bei Alkoholabstinenz das
CDT wieder normalisiert. Eine geringere Abstinenzzeit (z.B. 1-2 Tage vor einem
Arztbesuch) lässt das CDT unbeeinflusst, der Alkoholismus kann so noch erfasst
werden.
CDT ist deshalb geeignet für:
- Diagnostik Alkoholkranker
- Abklärung unklar erhöhter "Leberwerte"
- Überwachung bei Entziehungskuren
- Parameter in der Rechtsmedizin (bes. Führerscheinentzug)
- Parameter in der Arbeitsmedizin
Probenmaterial:
1 ml Serum oder Vollblut ohne ZusatzReferenzwerte:
methodenabhängig, geschlechtsspezifisch, erhöht in der Schwangerschaft. (siehe Befund)Ethylglucuronid (EtG) - Labordiagnostik zur Erfassung des Alkoholismus -
Drogen und Medikamentwirkstoffe im Haar - Grundlagen, Analyse und
diagnostische Anwendungen
Haarproben von Patienten, die regelmäßig bestimmte Medikamente in bekannter
Dosis einnehmen, und von Abusern illegaler Drogen werden mittels
Gaschromatographie mit massenselektivem Detektor auf diese Wirkstoffe
untersucht. Insbesondere werden die Zusammenhänge zwischen Einnahmezeit und
Position des Wirkstoffs im Haar einer gründlichen Betrachtung unterzogen.
Weiterhin sind Einflüsse von Dosis, chemischer Struktur und pharmakokinetischen
Eigenschaften auf die Konzentration im Haar von Interesse. Neben der Ausdehnung
auf weitere bisher unbearbeitete Medikamentwirkstoffe wird am Aufbau eines
Breitenscreenings durch HPLC mit Photodiodenarray Detektor gearbeitet, um die chronische
Aufnahme toxischer Verbindungen auch ohne gezielte Vermutungen nachweisen zu
können. Weiterhin wird die Methode im Rahmen des Projektes "Forcierter
Opiatentzug in Narkose" (Klinik für Anaesthesie und Intensivtherapie der
Charité) zur Kontrolle der Opiatabstinenz eingesetzt.
Nachweis von chronischem Alkoholabusus durch Haaranalyse
Durch vergleichende Analyse der Haarproben von Probanden, deren chronischer
Alkoholabusus aus der Anamnese bekannt ist, und von abstinenten Probanden wurde
nach spezifischer Probenaufbereitung mittels Gaschromatographie mit
massenselektivem Detektor systematisch nach Markern für den chronischen
Alkoholmißbrauch gesucht. Dabei wurden Fettsäureethylester in Haaren von
Alkoholikern festgestellt. Fettsäureethylester sind als Produkte des
nichtoxidativen Alkoholstoffwechsels bekannt. Sie können im Blut als Marker für
einen aktuellen oder kurzzeitig zurückliegenden Alkoholkonsum dienen. Daraus
ergibt sich die Möglichkeit, die bei Drogenmißbrauch übliche Haaranalyse auch
für eine retrospektive Prüfung auf Alkoholmißbrauch anzuwenden. Es wurde eine
Methode zur quantitativen Bestimmung der wesentlichen Fettsäureethylester im
Haar durch Dampfraum-Festphasen-Mikroextraktion (Headspace Solid Phase
Microextraktion, HS-SPME) in Kombination mit der
Gaschromatographie-Massenspektrometrie (GC/MS) entwickelt. Diese Methode wird
im laufenden Forschungsprojekt u. a. in Zusammenarbeit mit einer Suchtklinik
auf ihren Einsatz für forensische und klinische Fragestellungen überprüft
Anwendung der Festphasen-Mikroextraktion (SPME) in der Haaranalyse
Die Festphasen-Mikroextraktion (Solid Phase Microextraction, SPME) stellt eine
moderne, effektive und lösungsmittelfreie Probenaufbereitungsmethode dar. Unter
Anwendung eines automatischen Probengebers und der GC/MS werden die
Anwendungsmöglichkeiten und Grenzen dieser Methode für den Nachweis von Drogen,
Medikamenten und anderen Giften im Haar systematisch überprüft. Besondere
Beachtung findet dabei die Dampfraum- (Headspace-) Variante. Praktizierte Anwendungsmöglichkeiten
sind Nikotin, Amphetamine, Ecstasy-Wirkstoffe, Methadon, Lokalanaesthetika,
tri- und tetracyclische Antidepressiva, Ketamin, Phenothiazine, Diphenhydramin
sowie Fettsäureethylester als Alkoholabususmarker. Durch Kombination mit Derivatisierungsverfahren
wird der Anwendungsbereich erheblich erweitert.
Ethylglucuronid (EtG)
Diesem Nebenmetaboliten des Ethanols wird zurzeit neben den Fettsäureethylestern die größte Bedeutung als Alkoholmarker im Haar zugemessen.
EtG ist als Kurzzeit-Marker im Blut oder Urin für Alkoholkonsum aus zwei
Gründen von Bedeutung:
Erstens kann mit seiner Hilfe der Verdacht einer
Kontamination von Blutproben mit Ethanol bei oder nach der Entnahme überprüft
werden. Liegt eine Kontamination vor, so ist kein EtG nachweisbar.
Zweitens kann das Zeitfenster zum Nachweis einer alkoholischen Beeinflussung
auf bis zu 80 Stunden verlängert werden. Unter Verwendung eines kinetischen
Modells und Durchführung entsprechender Berechnungen kann aus gemessenen EtG-Konzentrationen
eine Überprüfung von Trinkangaben stattfinden.
Im Jahre 1993 wurde der Nachweis von EtG im Haar erstmals beschrieben. Untersuchungen zur Bestimmung von EtG und erste Vergleiche der Ergebnisse mit dem Trinkverhalten der Probanden wurden zwischen 1995 und 2004 von verschiedenen Autoren durchgeführt.
In den ersten Arbeiten wurden EtG-Haarkonzentrationen angegeben,
die sich nachträglich als zu hoch erwiesen. Nachdem inzwischen methodische
Verbesserungen eingeführt wurden, besteht aber ein relativ klarer Eindruck über
die Haarkonzentrationen von EtG und ihren Zusammenhang mit dem Trinkverhalten.
Am Beispiel der von Janda et al. untersuchten 97 Proben soll das
kurz verdeutlicht werden.
Alle Proben von Abstinenzlern und Normaltrinkern bis ca. 30 g Ethanol/Tag lieferten bei einer Nachweisgrenze um 0,03 ng/mg negative Ergebnisse. Der einzige Normaltrinker, bei dem EtG im Haar nachgewiesen werden konnte, machte möglicherweise zu niedrige Trinkangaben. Für die Gruppe der Patienten in der Entzugsbehandlung fällt die Analyse zu etwa der Hälfte negativ aus, bei der Hälfte mit positivem EtG-Nachweis bleiben die Werte unter 1 ng/mg. Bei den Todesfällen mit bekanntem Alkoholabusus wurden die höchsten Konzentrationen gefunden, allerdings fiel die Messung in 5 von 27 untersuchten Fällen negativ aus. Daraus folgt, dass ein positiver Nachweis von EtG im Haar mit relativ hoher Sicherheit einen chronisch exzessiven Alkoholkonsum beweist, während ein negatives Ergebnis diesen nicht sicher ausschließt.
Der Einlagerungsmechanismus von EtG ins Haar wurde bisher nicht näher untersucht. Da EtG eine hydrophile Carbonsäure ist, die bei physiologischem pH in dissoziierter Form vorliegt, kann man davon ausgehen, dass die Tendenz zur Einlagerung in den Basalzellen der Haarwurzel eher gering ist. Als alternativer Einlagerungsweg kommt die Diffusion des EtG aus dem Schweiß in das Haar in Betracht. Als Folge wäre eine zeitaufgelöste Interpretation der Analysenergebnisse bei segmentweiser Untersuchung einer Haarprobe nicht möglich. Ein Vorteil von EtG, das fast ausschließlich in der Leber gebildet wird, liegt in der fehlenden Möglichkeit eines durch äußere Kontamination bedingten falsch positiven Ergebnisses.
Insgesamt ist die Haaranalyse auf EtG als sinnvolle Hilfe bei der retrospektiven Aufklärung des Alkoholkonsums einzuschätzen, die bei einer weiteren Senkung der Nachweisgrenze durch methodische Verbesserungen noch an Wert gewinnen kann.
Zu beachten wäre noch, dass nach Inkrafttreten der neuen Beurteilungskriterien der Nachweis einer Alkoholkarenz im Haar nur noch für 3 Monate zulässig ist. Damit ist die Möglichkeit nicht mehr gegeben, anhand einer längeren Haarprobe die Abstinenzbehauptung zu untermauern
Fazit:
Unauffällige Leberwerte sprechen nicht für Sie; sie sind eher ohne
Bedeutung.
Grenzwertige oder auffällige Leberwerte ohne ärztliche Abklärung
(Befund aufgrund z.B. anderer toxischen Mittel wie Medikamente oder Lösungsmitteleinatmung;
ausgeheilte Hepatitis A o.a.) werden jedoch bei dieser spezifischen Problemlage
als Indiz für eine nicht glaubwürdige Abstinenzbehauptung angesehen.
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